Methode

Teil 2: Beschreibung des Verlaufs der Methode der Körperzentrierten Herzensarbeit

Die Körperzentrierte Herzensarbeit ist eine Methode der Meditation, die von der Meditationslehrerin und Autorin Safi Nidiaye entwickelt wurde.

Die Beschreibung des Verlaufs der Methode der Körperzentrierten Herzensarbeit gibt Einblick in die Vorgehensweise. Um ihre Wirkung nachvollziehen zu können ist es erforderlich, die Methode an einem eigenen konkreten Thema selbst zu durchlaufen und zu erfahren.

Die Methode der Körperzentrierten Herzensarbeit basiert auf den Grundlagen der Zen-Meditation. Man nimmt eine Haltung ein, in der es möglich ist, sich auf das bewusste Spüren des Atmens und das bewusste Wahrnehmen des Körpers und der Sinneseindrücke zu konzentrieren. Bewusst Wahrnehmen heißt, eine innere Wachheit einzuschalten, mit der man die Haltung des neutralen Beobachters über das innere Geschehen einnimmt.

Im ersten Schritt wählt man ein Thema aus der Vergangenheit oder eine Begebenheit, die vor einem liegt. Es kann sich um eine bestimmte Situation, ein Ereignis oder eine Person handeln, mit der man ein Problem verbin-det und vergegenwärtigt sich dies als Ausgangssituation, indem man es sich vor das geistige Auge führt.

Im nächsten Schritt lernt man den Körperzustand kennen bzw. die Symptome, die der Gedanke an die Ausgangssituation im Körper auslöst. Dies erfolgt durch bewusstes Atmen und Spüren des Körpers und das Wahrnehmen, welche Reaktionen im Körper auftauchen, z. B. eine Verkrampfung oder ein Kloß im Hals. Es ist wichtig, mit aller Aufmerksamkeit zu spüren und in dem Körperzustand anwesend zu sein, ihn zu erleben und kennenzulernen, denn es ist der emotionale Zustand, der sich im Körperempfinden ausdrückt.

Aus der Wahrnehmung des Körperempfindens heraus besteht der dritte Schritt darin, das Gefühl zu entdecken, das sich darin verbirgt. Während man bewusst den Atem spürt, erforscht man, wie man sich in dem besonderen Körperzustand fühlt, den man gerade erlebt. Dabei ist es von Bedeutung, dem Gefühl den exakten Namen zu geben, damit es sich erkannt fühlt. Es ist wichtig, das Gefühl bewusst zu erleben, es kennenzulernen, zu fühlen, ihm nun alle Aufmerksamkeit zu schenken. Es war schon immer da, aber bislang wurde es verdrängt, d. h. es wurde nicht bemerkt und nicht gefühlt. Ebenso ist es wichtig, nicht im Gefühl zu versinken, sondern ihm seine bewusste Zuwendung zu geben.

Dies geschieht im folgenden vierten Schritt, in dem man nun sein Herz für das Gefühl öffnet und sich fragt: „Was braucht das Gefühl von meinem Herzen?“. Während man mit der Aufmerksamkeit und dem Atem beim Gefühl bleibt, bietet man ihm die Herzensschlüssel an, indem man die Worte denkt oder ausspricht: Möchte es wahr-genommen, gesehen, gehört werden? Braucht es Erlaubnis, da sein zu dürfen? Anerkennung? Verständnis? Mitgefühl? Erbarmen, d. h. dass wir bei ihm sind, uns darum kümmern? Achtung? Raum, sich ausbreiten dürfen? Möchte es als Gefühl wahrgenommen werden statt als Tatsache? Möchte es gefühlt werden?

Mit Hilfe dieser Herzensschlüssel probiert man aus, welcher eine natürliche Regung im Herzen auslöst und sich somit das „Schloss“ öffnet, das man einst vor das Gefühl gesetzt hat, um es nicht fühlen zu müssen. Steigt ein Berührtsein, eine Erschütterung oder Erleichterung im Innern auf, hat der Schlüssel gepasst.

Es kommt vor, dass keiner der Schlüssel das Herz öffnen kann. In diesem Fall ist es möglich, dass es sich um ein Fremdgefühl handelt, das man von einer anderen Person (wie Vater, Mutter, Partner) oder von einer Gruppe übernommen hat. Durch Rückgabe des Fremdgefühls an die betreffende Person bzw. Gruppe steigt spürbar Erleichterung auf und man kann sich dem ggf. noch vorhandenen eigenen Anteil an dem Gefühl zuwenden und sein Herz dafür öffnen.

Im abschließenden Schritt kehrt man gedanklich wieder zurück zum Thema, mit dem man die Arbeit begonnen hat. Was zeigt sich nun beim Gedanken an die Ausgangssituation? Hat sich an der Haltung, an der Sichtweise, der Bedeutung etwas verändert? Was zeigt sich im Körper? Ist es gelungen, das Herz für das aufgestiegene Gefühl zu öffnen, wird man nun nicht mehr von diesem beherrscht, sondern nimmt es bewusst und mit offenem Herzen wahr.

Es ist hilfreich, sich den Namen des Gefühls gut einzuprägen, ggf. auch die passenden Herzensschlüssel, um es direkt zu erkennen, wenn es wieder ausgelöst wird, um sich nicht erneut damit zu identifizieren, sondern es mit Bewusstheit wahrnehmen zu können. Ein bisher verdrängtes, bekämpftes oder überspieltes Gefühl in der realen Situation wahrzunehmen bewirkt Veränderung.

Meistens sind mehrere Gefühle mit einem Problem verbunden. Wendet man die Körperzentrierte Herzensarbeit für das gleiche Thema wiederholt an, gelingt es, die einzelnen Gefühle nach und nach ins Licht zu führen und das Thema bis auf den Grund zu erforschen. So werden auch allmählich unbewusste Gedanken, Haltungen, Verhaltensmuster, Glaubenssätze aufgedeckt und die Emotionen heraufgeholt, die mit ihnen verbunden sind, bis hin zu dem Schmerz, der meist tief darunter liegend verborgen ist. Schmerz ist das eigentliche Gefühl, das beim Blick auf die Begebenheit tatsächlich wehtut. Erst wenn man diesen entdeckt und sein Herz dafür geöffnet hat, ist man durch ein Thema vollständig durchgegangen.

Eine Besonderheit stellt das Gefühl Sehnsucht dar. Es ist ein zentrales Gefühl, das von unserer Seele ausgeht und erkannt und bewusst wahrgenommen werden möchte. Oft unterdrücken wir unsere Sehnsüchte, da wir sie für abwegig oder unerfüllbar halten. Auch für die Sehnsucht und das Gefühl, nach dem wir uns sehnen, können wir mit Hilfe der Körperzentrierten Herzensarbeit unser Herz öffnen. Hierfür gibt es einen weiteren, bedeutenden Herzensschlüssel: es für möglich halten, dass die Sehnsucht in Erfüllung geht.

Mit der Körperzentrierten Herzensarbeit lernen wir wieder, unsere Gefühle zu fühlen. Wir werden nicht länger von ihnen beherrscht und dadurch zunehmend in ein Problem verstrickt. Es entsteht Erlösung, Befreiung, Erleichterung. Durch die Auflösung emotionaler Begrenzungen, die durch Nichtfühlen bzw. Verdrängung entstanden sind, kommt Energie wieder ins Fließen. Themen, Situationen, Beziehungen, die zuvor ein scheinbar unlösbares Problem darstellten, kommen wieder in den freien Fluss.

Safi Nidiaye beschreibt die Methode der Körperzentrierten Herzensarbeit in der von ihr veröffentlichten Literatur. Die langjährige Erfahrung im Umgang mit der Methode hat dazu geführt, dass Safi Nidiaye immer weitere Erkenntnisse gewonnen hat und dadurch die Methode  zunehmende Verfeinerungen erfahren hat. Daher sind zahlreiche Bücher erhältlich, die diese Entwicklung berücksichtigen.